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Stellungnahme
zur Pressemitteilung: „Neue Studie: Rechte Szenen auch im Osten out“
von Klaus Farin, Leiter des ‚Archiv der Jugendkulturen’
Die
wissenschaftliche und pädagogische Leitung des vom Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für
politische Bildung geförderten Projekts „Culture on the Road“ geben in
oben bezeichneter Sache folgende Stellungnahme ab:
--- Der in oben bezeichnetem Beitrag gemachten Feststellung, dass
„die beste Waffe gegen Rechtsextremismus […] die Förderungen der
toleranten“ Jugendkulturen ist, stimmen wir grundsätzlich zu, unter der
Prämisse, dass diese Förderung durch spezifische Verfahren der
pädagogischen Vertiefung begleitet ist.
--- Von der „Studie“
hingegen distanzieren wir uns, da sie unseres Erachtens nicht
repräsentativ ist und die aus ihr abgeleiteten allgemeinen
Schlussfolgerungen nicht tragfähig sind.
--- Die Fragebögen, auf
denen die Ergebnisse der Studie beruhen, wurden im Kontext von „Culture
on the Road“ bzw. im Rahmen von Schulprojekten, die der
Rechtsextremismusprävention dienen, an die teilnehmenden Jugendlichen
verteilt. (Die Fragebögen sind nicht von Projektmitarbeiter/innen
konzipiert und ausgewertet worden.) Aus diesem Grund erlauben die
Ergebnisse höchstens Rückschlüsse über den positiven Einfluss solcher
Projekte und zeigen, dass die Jugendlichen ein großes Interesse an den
jugendkulturellen Alternativen und Ausdrucksformen haben, die in
unserem Projekt angeboten werden. Sie lassen jedoch keine Rückschlüsse
über nachhaltige Einstellungsverschiebungen „der Jugendlichen im Osten“
im Allgemeinen zu.
--- Die Grundaussage der oben bezeichneten
Pressemitteilung, die rechte Szene hätte im Westen und Osten des Landes
inzwischen einen nur mehr abnehmenden Rückhalt unter den Jugendlichen,
ist unseren aktuellen Erfahrungen nach unrichtig; sie widerspricht den
jüngsten Erfahrungen, die wir während der Projekttage „Culture on the
Road“ allein im Jahr 2005 mit über 2000 Jugendlichen bundesweit gemacht
und in internen Evaluationsbesprechungen bzw. Berichten verhandelt
haben. Auch der Fachaustausch mit Initiativen und freien Trägern vor
Ort zeichnet ein anderes Bild.
--- Die Popularität der „rechten
Szene“ unter Jugendlichen ist regional (und das meint teilweise von Ort
zu Ort) sehr unterschiedlich.
--- Zudem hat sich der Einfluss
von rechtsorientierten bis rechtsextremen Einstellungen und
Handlungsmustern eher ausgeweitet, bzw. hat Eingang in politisch
weniger explizite Jugendkulturen gefunden. Dies führt dazu, dass es
bedauerlicherweise vielerorts kein Widerspruch ist, sich als HipHopper
zu bezeichnen und gleichzeitig zutiefst rassistische Ressentiments zu
vertreten. Viele Jugendlichen wissen gar nicht um die
anti-rassistischen Wurzeln des HipHop in den USA.
--- Die in oben
bezeichneter Pressemitteilung gegebene Auskunft bezüglich empirischer
Befragungen von Jugendlichen ist unseres Erachtens in methodologischer
und evaluationstheoretischer Hinsicht unzureichend, d.h. sie entspricht
nicht den erforderlichen Gütekriterien für sozialwissenschaftliche
Erhebungen. Soweit dies uns nachvollziehbar ist, handelt es sich um
quantitative Fragebögen, die Meinungsaussagen darüber erheben, ob
bestimmte „Jugendkulturen/ Szenen“ von den Befragten als „absolut
schlecht/ unsympathisch“ oder „absolute gut/ sympathisch“ empfunden
werden. Eine hinlängliche qualitative Vertiefung der
Fragebogenergebnisse fand, unserer Einschätzung nach, nicht statt.
Silke Baer Peer Wiechmann
(Wissenschaftlich-pädagogische Leitung und Projektorganisation)
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