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Königs Wusterhausen, eine beschauliche Kleinstadt am südlichen Rand von
Berlin. Die rund 33.000 EinwohnerInnen genießen das Ambiente im Grünen.
Doch der harmonische Schein trügt: Königs Wusterhausen ist eine Stadt
wie jede andere. Eine Stadt mit einem Neonaz-Problem. Vom Anfang der
neunziger Jahre an bis heute gibt es im Ort kontinuierlich extrem
rechte Aktivitäten. Bis 1999 gehen „insgesamt fünf Morde und unzählige
Überfälle (...) auf das Konto, der mehrere hundert Personen umfassenden
rechtsextremen Szene“
NaziBrowntown Reloaded
Ein Abriss zur Geschichte und Gegenwart rechter Aktivitäten in Königs Wusterhausen und Umland
Königs Wusterhausen, eine beschauliche Kleinstadt am südlichen Rand von
Berlin. Die rund 33.000 EinwohnerInnen genießen das Ambiente im Grünen.
Doch der harmonische Schein trügt: Königs Wusterhausen ist eine Stadt
wie jede andere. Eine Stadt mit einem Neonaz-Problem. Vom Anfang der
neunziger Jahre an bis heute gibt es im Ort kontinuierlich extrem
rechte Aktivitäten. Bis 1999 gehen „insgesamt fünf Morde und unzählige
Überfälle (...) auf das Konto, der mehrere hundert Personen umfassenden
rechtsextremen Szene“
Die Neunziger
Schon kurz nach dem Mauerfall war Königs Wusterhausen als Hochburg für
Neonazis und faschistische Organisationen bekannt. In der Region wurden
der Landesverband Berlin-Brandenburg der „Freiheitlichen Deutschen
Arbeiterpartei“ (FAP) sowie eine Sektion des rassistischen KuKluxKlan
(3) gegründet. Neben Kameradschaftsaktivitäten hatten Kader
verschiedener Neonazi-Organisationen, wie beispielsweise das
„Internationale Hilfskomitee für nationale politische Verfolgte und
deren Angehörige e.V.“ (IHV) ihren Aktionsschwerpunkt oder Wohnsitz vor
Ort. Es wurden Wehrsport- und Sprengübungen, rechte Fußballturniere und
Konzerte durchgeführt. Königs Wusterhausen hatte schon früh an
bundesweit den Ruhm einer „browntown“.Ein rassistisches Weltbild war
jedoch nicht nur unter den Neonazis verbreitet. Es war – und ist noch
immer – fester Bestandteil in den Köpfen vieler Menschen in Königs
Wusterhausen und Umland. Ein sehr abstoßendes und bezeichnendes
Beispiel hierfür ist das Dorf Dolgenbrodt. 1992 sollte ein ehemaliges
Ferienlager im Ort zu einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge umgewandelt
werden. Die DorfbewohnerInnen sträubten sich. Einen Abend vor der
Eröffnung brannte der damalige Neonazi Silvio Jankowsky (Mitglied in
der Nationalistischen Front) das Gebäude ab. Die DorfbewohnerInnen und
allen voran der damalige Bürgermeister stehen noch heute unter dem
Verdacht, den Neonazi für seine Tat bezahlt zu haben.Ein Jahr nach dem
Brandanschlag in Dolgenbrodt, der dem Ort den Titel „Erstes
rassistisches Dorf“ einbrachte, kam die Region erneut in die
Schlagzeilen. Eine Gruppe junger Neonazis griff den Nigerianer Steve E.
an, misshandelte ihn schwer und versuchte ihn im Anschluss im
Scharmützelsee zu ertränken. Dies konnte durch beherztes Eingreifen
eines Passanten verhindert werden. Der an dem Übergriff beteiligte
Carsten Szczepanski, Hauptakteur der damaligen Szene, wurde 1995 wegen
Beihilfe zu versuchtem Mord zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe
verurteilt.
Während seiner Haftstrafe begann er mit dem Verfassungsschutz (VS)
zusammenzuarbeiten. Trotz der Schwere der Tat befand sich Szczepanski
bereits Anfang 1997 wieder auf freiem Fuß. Fortan agierte er als V-Mann
„Piato“ in Neonazi-Kreisen. Er pflegte weiterhin enge Kontakte zur
bundesweiten Neonazi-Szene und gab das Fanzine „United Skins“ heraus.
Auch in der NPD war er aktiv als Vorstandsmitglied des Landesverbands
Berlin-Brandenburg für den Bereich Organisationsleitung. Bei der
Leitung dieses Referats stand ihm Reinhard Golibersuch zur Seite.
Golibersuch, Beisitzer im Landesverband Berlin-Brandenburg, baute 1983,
unterstützt von Michael Kühnen, eine Gruppe der 1983 durch den
Bundesminister des Innern verbotenen neonazistischen „Aktionsfront
Nationaler Sozialisten/ Nationaler Aktivisten“ (ANS/NA) auf; er war
auch Mitglied der am 24. Februar 1995 durch den Bundesinnenminister
verbotenen FAP.Szczepanski eröffnete zudem einen Laden, mit dem er das
Neonazispektrum von Königs Wusterhausen mit Musik versorgte, auch war
er in die Planung eines Rohrbombenanschlags involviert. Der Plan flog
auf, doch Szczepanski kam ohne Verfahren davon. Weniger „Glück“ hatte
er im Dezember 2002, als er sich abermals vor Gericht verantworten
musste. Er hatte dem Sänger der Potsdamer Band „Bloodshed“ (ehemals
„Proissenheads“), Uwe Menzel, ein Gewehr verschafft. Beide wurden zu
Geldstrafen verurteilt.
Goodbye Szcepansky, welcome NPD!
Schon im Jahre 1997 gründete sich der NPD-Kreisverband Spreewald, der
sich bis Ende 1999 bis nach KW ausbreitete. Sonnenwend- und
Reichgründungsfeiern am Anfang des neuen Jahrtausends gehörten ebenso
zu dessen Repertoire wie Schlesienfahrten und Liederabende. Neben der
Partei gab es auch die Kameradschaft „United Skins“. Diese war eine
militante Gruppe von Neonazis, welche bundesweit an Neonaziaufmärschen
und Konzerten teilnahm. Sie konnte des Weiteren für Angriffe auf
alternative Jugendliche, MigrantInnen und Obdachlose verantwortlich
gemacht werden. Ihre öffentliche Aktivität ebbte mit der Zeit ab und
reduzierte sich auf Schutzaufgaben bei NPD-Veranstaltungen und das
einmalige Verteilen von NPD-Propaganda. Höhepunkt der Arbeit der NPD
war die Durchführung eines Aufmarschs im Juni 2000 unter dem Motto
„Gegen das Vergessen, gegen roten Terror“. Die NPD und ihre
Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) schafften es 200
Neonazis und deren faschistische Propaganda auf die Straße zu
bringen.Auch Szczepanski war unter den Teilnehmern des
Aufmarsches.Kurze Zeit später flogen seine V-Mann-Aktivitäten auf.
Damit kam der Kameradschaftsszene der Drahtzieher und eine wichtige
Finanzquelle - Informanten bekamen vom Verfassungsschutz für ihre
Dienste immerhin zwischen 250 und 500 € monatlich (5) – abhanden. Ein
Großteil der lokalen Strukturen brach daraufhin zusammen.Dass einige
Neonazis weiterhin aktiv blieben, zeigten Übergriffe, u.a. auf
SchülerInnen der Blindenschule, an denen neben anderen Neonazis auch
Sebastian Lemcke beteiligt war, und Vorgänge im von Neonazis
dominierten Jugendclub „Oase“.Im Jahr 2001 kam es zu einem
Brandanschlag auf das antirassistische Festival „Le monde est à nous“.
In der Nacht vor dem Festival warfen die Neonazis Ingo Nitschke und
Sebastian Dahl mehrere Molotowcocktails auf die Bühne. Die dort
schlafenden Jugendlichen entgingen nur knapp einer Katastrophe. Mit an
dem Angriff beteiligt war Jeannine Paris, die das Fluchtfahrzeug
fuhr.Nur zwei Wochen später gab es erneut einen Brandanschlag. Diesmal
verfehlte ein Molotowcocktail nur knapp einen Wohnwagen in einer Sinti
und Roma-Siedlung in Wildau, dem Nachbarort von KW. Auch hier waren
Jeannine Paris und Ingo Nitschke beteiligt. Wieder war die rechte Szene
in Königs Wusterhausen einer großen Repression ausgesetzt. In den
darauf folgenden Jahren zogen sich die aktiven Neonazis mehr und mehr
aus dem Stadtbild zurück, Königs Wusterhausen bekam den Anschein einer
ruhigen Vorstadt. Jugendliche trauten sich egal mit welcher Haarfarbe
wieder auf die Straße und auch in den Medien ebbte die Präsenz der
Neonazis ab.Doch auch in dieser Zeit kam es zu Neonaziaktivitäten und
Übergriffen. Zwar agierten die ansässigen Neonazis eher verdeckt und
zogen sich mehr in ihre internen Kreise zurück, doch sie blieben aktiv.
So wurde im April 2002 ein Brandsatz auf eine von ausländischen
ArbeiterInnen bewohnte Unterkunft in Wildau geworfen. Auch bei den
hiesigen Volksfesten, wie dem Rosenfest in Eichwalde, dem Schleusenfest
in KW oder dem Fischerfest in Zeuthen, kam es immer wieder zu
Übergriffen. Beim Fischerfest 2002 waren ca. 30 Neonazis anwesend, die
BesucherInnen anpöbelten und schikanierten. Beim Rosenfest in Eichwalde
wurden alternative Jugendliche von rechten Jugendlichen beschimpft und
geschlagen. Dies entwickelte sich im Verlauf des Festes zu einer
Massenschlägerei mit mehreren Verletzten und Festnahmen.
Die nächste Generation
In den letzten beiden Jahren ist eine deutlicher Anstieg von rechter
Propaganda, Pöbeleien und Angriffen in KW und Umland zu beobachten.
Rechte Jugendliche sind wieder verstärkt in der Stadt wahrzunehmen und
treffen sich dort regelmäßig an öffentlichen Plätzen. Dass durch solch
eine Ansammlung Gefahr für all jene besteht, die nicht in die
neonazistische Norm passen, zeigt die Anzahl an Übergriffen in diesen
Bereichen der Stadt. So zum Beispiel im Mai 2005, als ein linker
Jugendlicher in der Nähe vom Stadtbrunnen (Zentrum) von Neonazis
angegriffen und mit einer abgebrochenen Glasflasche schwer im Gesicht
verletzt wurde. Viele Jugendliche, Behinderte und MigrantInnen fürchten
sich wieder nachts auf den Straßen der Region unterwegs zu sein.
Inzwischen hat die Stadt auf ihre Art reagiert: Seit Juli 2005 wird
zumindest der Bahnhofsvorplatz von Polizei und Ordnungsamt besonders
überwacht. Die Probleme mit rechtextremen Jugendlichen werden dadurch
nicht behoben, sondern es wird lediglich versucht Ausschreitungen zu
verhindern. Solange sich die Rechten jedoch „friedlich“ verhalten, wird
ihnen nichts entgegengesetzt.So können die Neonazis in aller Ruhe ihre
Propaganda auf die Straße bringen. Insbesondere zu aktuellen Anlässen
der rechten Szene verkleben die Neonazis gemeinschaftlich
antisemitische, rassistische und NS-verherrlichende Aufkleber und
Plakate in der Stadt. An den Orten, an denen sie sich ungestört treffen
können, wie beispielsweise in den verlassenen Häusern am Funkerberg,
oder dort, wo das rechte Potential sehr hoch ist, wie in der
Neubausiedlung in KW, lassen sich in letzter Zeit auch vermehrt extrem
rechte Sprühereien feststellen.Bisweilen gibt es in Königs Wusterhausen
keine Neonazi-Vereinigung, die in der Öffentlichkeit als solche
auftritt. In den letzten zwei Jahren lässt sich jedoch eine sich stets
intensivierende Organisierungstendenz feststellen. Zum Einen geistert
seit Anfang 2005 das Kürzel „AG_KWh“ durch einschlägig bekannte Foren
und Websites, zum Anderen hat sich ein fester Personenkreis gebildet,
der an Neonaziaufmärschen und rechten Veranstaltungen teilnimmt und
eigene Aktion in und um Königs Wusterhausen durchführt.Im September
2005 sammelten sich beispielsweise Neonazis aus Königs Wusterhausen und
dem Berliner Kameradschaftsspektrum, um den Wahlkampfauftritt des
brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck zu stören. Im
Anschluss daran führten sie einen spontanen Aufmarsch in der KWer
Innenstadt durch. Dabei riefen sie unter anderem „Frei, sozial,
national!“ und „Königs Wusterhausen wir sind da, eure Anti-Antifa!“. In
ähnlicher Konstellation hatten die Neonazis bereits im Mai eine
Kundgebung am Stadtbrunnen abgehalten. Ebenfalls im Mai wurden an
S-Bahnhöfen der Region Flugblätter mit rechtem Inhalt verteilt.Bei den
meisten Aktionen zeigten sich enge Verbindungen zur Berliner
Kameradschaftsszene, im Besonderen zu ehemaligen Mitgliedern der Anfang
2005 verbotenen „Kameradschaften Tor“ (KS-Tor) und zur „Berliner
Alternative Süd-Ost“ (BASO). Diese waren schon zuvor zu beobachten. So
nahmen Neonazis aus KW, allen voran Manuel Arnold und Marcel Siepler,
an Veranstaltungen von Berliner Kameradschaften teil, mobilisierten zu
deren Aufmärschen und trugen deren Transparente. Die Neonazis aus KW
sind auch in das interne Mobilisierungsumfeld der Kameradschaftsszene
in Berlin eingebunden, da sie regelmäßig an spontan durchgeführten
Aufmärschen teilnehmen und für szeneinterne Aktionen, wie
Prozessbesuche, mobilisiert werden. Zum Beispiel folgten sie einem
Solidaritätsaufruf zur Unterstützung der angeklagten Neonazis Sebastian
Dahl und Jeannine Paris in dem Prozess in Potsdam anlässlich des
Brandanschlages auf das „Le monde“. Dahl und Paris wurden zu fünf bzw.
vier Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit etwa 30 anderen zeigten die
KWer Neonazis vor dem Gerichtsgebäude Präsenz, solidarisierten sich mit
den Angeklagten und versuchten anwesende AntifaschistInnen
einzuschüchtern und anzugreifen.Ebenfalls bezeichnend für die
Verbindungen zwischen der Berliner Kameradschaftsszene und den KWer
Neonazis ist das
diesjährige Oktoberfest in Zeuthen. Dort bedrohte eine Gruppe von bis
zu 30 Neonazis, bewaffnet mit Baseballschlägern, BesucherInnen des
Festes. Zuvor nahmen die Rechten an einer spontanen Demonstration in
Berlin teil, auf der auch KWer Neonazis anwesend waren. Auch nach dem
gescheiteten„Heldengedenken“ in Halbe 2005 machten KWer und Berliner
Neonazis gemeinsame Sache: Am 14. November marschierten sie durch Halbe
und versuchten, Kränze für gefallene Wehrmachtssoldaten abzuwerfen.
Dabei wurden sie jedoch von der Polizei gestellt.Vor dem
antifaschistischen Hackerangriff auf das Forum des neonazistischen
Freien Widerstandes, bei dem interne Daten der bundesweiten
Kameradschaftsszene offen gelegt wurden, gehörten auch KWer Neonazis zu
dessen Usern. Marcel Siepler meldete sich dort unter dem Namen „AG_KWh“
an und beteiligte sich sporadisch an Diskussionen über rechte Musik und
den Brandanschlag auf das „Le monde“. Mit dem Kürzel „AG_KWh“ wurden
auch Einträge in Gästebücher des Anti-Antifa-Networks und den von KWer
Antifagruppen unterzeichnet. Auf der Unterstützerliste eines rechten
Aufmarsches am 3. Dezember 2005 in Berlin war die „Aktionsgruppe Königs
Wusterhausen“ vermerkt – die Bedeutung des Kürzels „AG_KWh“ scheint nun
gefunden.Dass die Neonazis zunehmend selbstbewusster und offensiver
werden, zeigt ein Vorfall im Sommer 2005: Damals war eine Gruppe von
Neonazis in den Jugendclub „Splirtz“ eingetreten. Dieser gilt als
sicherer, da konsequent nazifreier Raum und als Rückzugsgebiet für
Opfer rechter Gewalt. Die Rechten wurden von den BesucherInnen umgehend
aufgefordert, den Club zu verlassen. Die Neonazis skandierten rechte
Parolen und konnten erst durch die Polizei vom Clubgelände gebracht
werden. Derzeit läuft in KW ein Prozess gegen einen der beteiligten
Neonazis wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole.Schon im
August 2005 mussten sich Neonazis vor dem Amtsgericht Königs
Wusterhausen verantworten.Sie wurden wegen eines rassistischen
Übergriffes im Jahre 2004 angeklagt, bei dem sie drei Bhutanesen an der
Aral-Tankstelle in KW angegriffen und verletzt hatten. Beteiligt waren
an dem Angriff u.a. Marcel Kindl und Jens Luchterhand, beide sind in
der Stadt ansässig und schon mehrfach wegen ähnlicher Delikte
aufgefallen. Marcel Kindl war früher bei den „United Skins“ aktiv und
nimmt noch immer an Neonaziaufmärschen teil.Zum festen Umfeld von
Marcel Kindl gehört u.a. Mike Turau, der in Königs Wusterhausen wohnt.
Er wurde in der Vergangenheit ebenfalls den „United Skins“ zugeordnet.
Regelmäßig nimmt auch er an Aufmärschen der extremen Rechten teil.
Zusammen mit seinen Kameraden Hundt und Michael Thalheim fährt er des
Öfteren mit seinem Alfa-Romeo in Flammen-Optik durch die Stadt und
beschimpft vermeintliche AntifaschistInnen.Seit Jahren besteht in KW
und Umland ein loses, an Freundschaften ausgerichtetes, Netzwerk von
Neonazis, das die Verbreitung von Informationen und punktuelle
Zusammenarbeit ermöglicht. Diese lose Verbindung macht einen
strömungsüberreifenden Kontakt und das Aufeinandertreffen von
alteingesessenen Neonazis wie Kindl und der jungen Generation möglich.
Zudem gelingt es den Rechten so ein Umfeld an gleichgesinnten
„Mitläufern“ aufzubauen, das sich für verschiedenste Aktionen
mobilisieren lässt.Bei Naziaufmärschen im gesamten Bundesgebiet sind
KWer Neonazis regelmäßig anzutreffen. Zumindest in Berlin findet kaum
noch ein Aufmarsch ohne die „Kameraden“ aus Königs Wusterhausen statt.
Vereinzelt sind sie auch in deren Durchführung involviert gewesen und
trugen, wie Thomas Heuchler oder Manuel Arnold, Transparente
verschiedenster Neonazi-Gruppierungen (u.a. „BASO“ im Dezember 2004;
„Nationaler Widerstand Berlin-Brandenburg“ ebenfalls im Dezember 2004,
„Fire and Flames Berlin“ im August 2005).Der aktiven Naziszene und
ihrem Umfeld gehören mindestens 15 Personen an. Zum Kern dieser Szene
gehören Manuel Arnold, Marcel Siepler , Sebastian Lüdke, Michael
Thalheim, Thomas Heuchler, Mike Turau und Marcel Kindl. Zusammen mit
etwa 10 Personen aus ihrem Umfeld waren sie alle am 18. Juni 2005 auf
einer, von Christian Worch angemeldeten Kundgebung in Halbe anwesend.
Derzeit ist davon auszugehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis
die Neonazis aus KW unter einem gemeinsamen Label den Schritt in die
Öffentlichkeit wagen. Sie treten schon jetzt immer öfter in Erscheinung
und legen ein fürs andere Mal radikalere Aktionsformen an den Tag.
Vorläufiger Höhepunkt ihrer Umtriebe ist ein Brandanschlag auf ein Auto
eines KWer Polizisten am 31. Oktober 2005. Der Anschlag in einem der
Plattenbauviertel war offenbar ein gezielter Racheakt gegen den
Polizeibeamten, der sich seit 2002 als Mitglied der Spezialeinheit
„Tomeg“ (Täterorientierte Maßnahmen gegen extremistische Gewalt) mit
der rechten Szene in der Kleinstadt befasste. Vier Neonazis im Alter
von 15, 16, 17 und 24 Jahren wurden festgenommen. Die Polizei konnte
die Tatverdächtigen so schnell ermitteln, weil sie beim Bentzinzapfen
an einer nahen Tankstelle von der Überwachungskamera gefilmt worden
waren. Gegen den Erwachsenen wurde Haftbefehl erlassen, ein
Jugendlicher kam in ein Heim. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat ein
Ermittlungsverfahren eingeleitet. Einem Bericht des Berliner
Tagesspiegels (6) zu Folge, „reagierte die rechte Szene mit Wut“ auf
die Festnahme. Weiterhin hieß es in der Zeitung „Ein Neonazi meldete
zwei Demonstrationen „gegen Polizeiwillkür“ vor der Wache in Königs
Wusterhausen an. Die Aufzüge wurden verboten, die Neonazis wichen nach
Berlin aus. Etwa 50 Neonazis, darunter frühere Mitglieder verbotener
Kameradschaften, marschierten Anfang November durch Prenzlauer Berg und
skandierten „Freiheit für nationale Sozialisten“
Gefunden in "Fight Back 3" Aantifa Broschüre
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