| Stellungnahme zur Pressemitteilung von Klaus Farin |
| Geschrieben von Hannez | |
| Freitag, 1. Dezember 2006 | |
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Stellungnahme zur Pressemitteilung: „Neue Studie: Rechte Szenen auch im Osten out“ von Klaus Farin, Leiter des ‚Archiv der Jugendkulturen’ Die wissenschaftliche und pädagogische Leitung des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Projekts „Culture on the Road“ geben in oben bezeichneter Sache folgende Stellungnahme ab: --- Der in oben bezeichnetem Beitrag gemachten Feststellung, dass „die beste Waffe gegen Rechtsextremismus […] die Förderungen der toleranten“ Jugendkulturen ist, stimmen wir grundsätzlich zu, unter der Prämisse, dass diese Förderung durch spezifische Verfahren der pädagogischen Vertiefung begleitet ist. --- Von der „Studie“ hingegen distanzieren wir uns, da sie unseres Erachtens nicht repräsentativ ist und die aus ihr abgeleiteten allgemeinen Schlussfolgerungen nicht tragfähig sind. --- Die Fragebögen, auf denen die Ergebnisse der Studie beruhen, wurden im Kontext von „Culture on the Road“ bzw. im Rahmen von Schulprojekten, die der Rechtsextremismusprävention dienen, an die teilnehmenden Jugendlichen verteilt. (Die Fragebögen sind nicht von Projektmitarbeiter/innen konzipiert und ausgewertet worden.) Aus diesem Grund erlauben die Ergebnisse höchstens Rückschlüsse über den positiven Einfluss solcher Projekte und zeigen, dass die Jugendlichen ein großes Interesse an den jugendkulturellen Alternativen und Ausdrucksformen haben, die in unserem Projekt angeboten werden. Sie lassen jedoch keine Rückschlüsse über nachhaltige Einstellungsverschiebungen „der Jugendlichen im Osten“ im Allgemeinen zu. --- Die Grundaussage der oben bezeichneten Pressemitteilung, die rechte Szene hätte im Westen und Osten des Landes inzwischen einen nur mehr abnehmenden Rückhalt unter den Jugendlichen, ist unseren aktuellen Erfahrungen nach unrichtig; sie widerspricht den jüngsten Erfahrungen, die wir während der Projekttage „Culture on the Road“ allein im Jahr 2005 mit über 2000 Jugendlichen bundesweit gemacht und in internen Evaluationsbesprechungen bzw. Berichten verhandelt haben. Auch der Fachaustausch mit Initiativen und freien Trägern vor Ort zeichnet ein anderes Bild. --- Die Popularität der „rechten Szene“ unter Jugendlichen ist regional (und das meint teilweise von Ort zu Ort) sehr unterschiedlich. --- Zudem hat sich der Einfluss von rechtsorientierten bis rechtsextremen Einstellungen und Handlungsmustern eher ausgeweitet, bzw. hat Eingang in politisch weniger explizite Jugendkulturen gefunden. Dies führt dazu, dass es bedauerlicherweise vielerorts kein Widerspruch ist, sich als HipHopper zu bezeichnen und gleichzeitig zutiefst rassistische Ressentiments zu vertreten. Viele Jugendlichen wissen gar nicht um die anti-rassistischen Wurzeln des HipHop in den USA. --- Die in oben bezeichneter Pressemitteilung gegebene Auskunft bezüglich empirischer Befragungen von Jugendlichen ist unseres Erachtens in methodologischer und evaluationstheoretischer Hinsicht unzureichend, d.h. sie entspricht nicht den erforderlichen Gütekriterien für sozialwissenschaftliche Erhebungen. Soweit dies uns nachvollziehbar ist, handelt es sich um quantitative Fragebögen, die Meinungsaussagen darüber erheben, ob bestimmte „Jugendkulturen/ Szenen“ von den Befragten als „absolut schlecht/ unsympathisch“ oder „absolute gut/ sympathisch“ empfunden werden. Eine hinlängliche qualitative Vertiefung der Fragebogenergebnisse fand, unserer Einschätzung nach, nicht statt.
Silke Baer Peer Wiechmann (Wissenschaftlich-pädagogische Leitung und Projektorganisation)
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